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Ein ganzes Jahr Geburtstag der Wissenschaften in Berlin
Im Jahre 2010 feiern fünf der ältesten und zugleich international bekanntesten Wissenschaftseinrichtungen Berlins Jubiläen. Unter dem Motto: „Berlin – Hauptstadt für die Wissenschaft“ aber sind - über die Jubilare hinaus - alle wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt eingeladen, sich auch mit eigenen Veranstaltungen an diesem Jahr zu beteiligen. Es geht nicht nur um eine Darstellung Berlins als Wissenschaftsstandort in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, es geht ebenso um die Schaffung eines Bewusstseins für die Bedeutung von Wissenschaft, Forschung, Freiheit des Denkens und der Neugier weit über den engen Wissenschaftsbetrieb hinaus. Unser tägliches Leben wie unser Wohlstand sind ohne Wissenschaft und Forschung nicht möglich.
Dabei ist die Wissensgesellschaft nicht neu. Es gibt sie seit den Anfängen der menschlichen Kultur. Babylon, Athen, Alexandria, Rom sind frühe Orte machtvoller Wissensgesellschaften. Boston, San Francisco, Shanghai, London und Paris sind es heute. Als eine Stadt der Wissenschaft hat auch Berlin eine lange Tradition Eine große Blüte erlebte sie im 18., 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Alle Disziplinen in Naturwissenschaft, Kunst, Kultur, Wirtschaft und Politik nahmen Anteil an dieser Entwicklung. Berlin wurde das „Spree – Athen“. Namen wie Leibniz, Friedrich der Grosse, Humboldt, Schinkel, Hegel, Virchow, Helmholtz, Siemens, Koch, Planck und Einstein sind mit Berlin eng verbunden.
Im Jahre 2010 wird es darauf ankommen, diese Tradition und die gestaltenden Kräfte wissenschaftlicher Erkenntnisse in allen Lebensbereichen deutlich werden zu lassen. Für jedes Alter und in allen Lebenssituationen muss wissenschaftliches Denken und Handeln anschaulich werden. Erst dann lässt sich Wissenschaft auf Gesellschaft, lässt sich Gesellschaft auf Wissenschaft beziehen. Formen wissenschaftlicher Auseinandersetzungen wie Diskussion, Disput und Kontroverse sind etablierte demokratische Umgangsformen in einer Wissensgesellschaft.
Gemeinsames Feiern und fröhliches Zusammensein hindert uns nicht daran, auch nachdenklich, kritisch und selbstkritisch mit uns selbst, mit der Vergangenheit und mit der Zukunft umzugehen. Die Wissenschaft hat ihre Unschuld verloren, als sie auch Werkzeuge für das Böse schuf. Physiker, Chemiker, Mediziner wie auch Vertreter anderer Berufsgruppen bleiben von den Irrwegen menschlichen Entdecker- und Erfindungsgeistes nicht verschont. Auch die Geisteswissenschaften, welche den Demagogen und Diktatoren ihre Argumente liefern, können großes Unheil stiften. Dies alles ist leider nicht neu. Gerade in Berlin wollen wir das nicht vergessen und sind in besonderer Weise aufgerufen, die Wissenschaft in der Verantwortung für die ganze Weltgemeinschaft zu sehen.
So allgemein die Ansprüche formuliert sind, sie müssen bezogen werden auf die konkreten Situationen und Möglichkeiten Berlins als Wissenschaftsstandort. Die Vielfalt wissenschaftlicher Themen findet eine Entsprechung in den wissenschaftlichen Einrichtungen, Anforderungen der Gesellschaft und im Alltag jedes Einzelnen. Auf sieben Themenfeldern treffen unterschiedliche Wissenschaften, verschiedene Veranstalter, Veranstaltungsformate und Zielgruppen aufeinander. Diese für Berlin wichtigen Themenfelder sind: Medizin und Gesundheit, Lebenswelten und Mikrosysteme, Energie und Klima, Verkehr und Mobilität, Sprachen und Kommunikation, Kultur und Gesellschaften, Wissenschaftsgesellschaft und Bildung.
In diesen thematischen Zusammenhängen entfalten sich die Inhalte des Berliner Wissenschaftsjahres und konkretisieren die Beziehungen über den wissenschaftlichen Bereich hinaus in die Öffentlichkeit und zu Vertretern verschiedenster Interessen, Berufe und Kulturbereiche.
Um über die Vielfalt an Veranstaltungen zu diesen Themen zu informieren, wird es neben den beiden Halbjahresprogrammbücher einen gemeinsamen Internetauftritt und eine Wanderausstellung geben. Berlin will im Jahr 2010 von seinen Gästen wie von der eigenen Bevölkerung auf neue Weise entdeckt werden.
Prof. Dr. Detlev Ganten | Moritz van Dülmen |

