Ein Leitprojekt für die humane Wissensgesellschaft: Lebenswissenschaften in der Gesundheitsstadt Berlin

Wenn Sie einem Menschen von Herzen etwas Gutes wünschen wollen, was wünschen Sie ihm dann zum Geburtstag oder zum neuen Jahr? „… vor allen Dingen Gesundheit.“ Gesundheit ist für den Einzelnen und für die Gesellschaft das höchste Gut. Das  gilt in allen Ländern und in allen Kulturen. Wir können gar nicht genug dafür tun.

Viele Menschen spüren, dass wir eine grundsätzliche Erneuerung unserer Gesellschaft brauchen. Eine rein wirtschaftliche Betrachtung der Reformen ohne überzeugende Inhalte und definierte Zukunftsstrukturen kann jedoch nicht tragfähig sein. Es besteht allgemeine Übereinstimmung, dass unsere Zukunft in allen Bereichen zunehmend und immer schneller von der Wissenschaft bestimmt wird. Dieser Weg in die neue Wissensgesellschaft muss human gestaltet und persönlich positiv erlebbar sein.

Wie auf keinem anderen Gebiet kann die Wissenschaft  im Bereich Gesundheit als positive Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung neue Orientierungen geben. Es gibt nur wenige Forschungsgebiete, die so umfassend, aktuell und für jeden einzelnen Menschen erlebbar und persönlich bedeutsam sind. Die Lebenswissenschaften (Life Sciences) umfassen den gesamten Komplex der Forschung über Gesundheit und Krankheit des Menschen sowohl im naturwissenschaftlichen  wie auch  im psychosomatischen und im ganzheitlichen Sinn. Sie sind in exemplarischer Weise interdisziplinär, Institutionen übergreifend und betreffen jeden persönlich, denn Fragen von Gesundheit und Krankheit sind existentieller Natur. Jeder kann „am eigenen Leib“ erfahren, was wissenschaftlicher Fortschritt für die eigene Lebensqualität und für die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft bedeutet. Unser Bild vom Menschen wird maßgeblich von dieser Forschung beeinflusst. Die Lebenswissenschaften sind aus diesem Grunde mehr als jeder andere Forschungsbereich ein Leitthema für die humane Wissensgesellschaft.

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen von der klinischen Medizin und Grundlagenforschung, Physiologie, Biologie, Chemie, Pharmakologie, Medizintechnik aber auch Physik, Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Informatik bis hin zur Vorsorge, Versorgungsforschung und Ökonomie sowie der Bioethik, Philosophie und Theologie sind ganz oder teilweise in diesem Forschungsfeld  tätig. Die Anwendungen der Forschungsergebnisse für den Menschen von der ärztlichen Praxis bis hin zur wirtschaftlichen Nutzung sind integraler Bestandteil. Die Gesundheitswirtschaft schafft mehr Arbeitsplätze als der Automobilbau, Maschinenbau oder die Bauwirtschaft, und sie ist krisensicherer.

Die Berliner Wissenschaft will an dieser Entwicklung maßgeblich mitwirken. Berlin hat eine große Tradition in der Medizin und mit der Charite eine der berühmtesten Kliniken. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat zu Recht die Entwicklung Berlins zu einer Gesundheitsstadt beschlossen. Das bedeutet, dass der Gesundheitssektor bei den Entscheidungen des Senates eine hohe Priorität hat. Ein Senatsbeauftragter koordiniert die regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten der „Health Capital“ .Die Stadt konzentriert sich auf zukunftsträchtige Schwerpunkte von der Prävention, Förderung neuer Forschungsgebiete wie die Regenerative Medizin und klinische Systembiologie  bis zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Ansiedlung von Biotechnologie Firmen.  So wird Gesundheit zu einem Prägenden Aspekt des Leitbildes von Berlin.

Prof. Dr. Detlev Ganten