Staatsbibliothek zu Berlin

Staatsbibliothek zu Berlin

Im Jahr 2011 begeht die Staatsbibliothek zu Berlin ihr 350jähriges Gründungsjubiläum. Sie ist Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, welche von allen Ländern und dem Bund getragen wird. Als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands ist sie ein Zentrum der nationalen und internationalen Literaturversorgung. Über 10,7 Millionen Bände umfasst allein ihr seit knapp 350 Jahren gewachsener Druckschriftenbestand, hinzu kommen über 2,2 Millionen weitere Druckwerke und andere oft unikale Materialien in den Sondersammlungen - abendländische und orientalische Handschriften, Musikautographe, Autographe und Nachlässe, Karten, historische Zeitungen - sowie mehr als 10 Millionen Mikroformen und eine ständig wachsende Zahl an Datenbanken und anderen elektronischen Ressourcen. Für die modernen Sammlungen mit Schwerpunkten bei den Geistes- und Sozialwissenschaften wird wissenschaftlich relevante Literatur in inhaltlich tiefer Staffelung beschafft. Neben dem kontinuierlichen Erwerben und Bewahren von Literatur aus allen Zeiten, allen Ländern, allen Sprachen sowie in jeder Form ist deren Erschließung und Nutzbarmachung zentrale Aufgabe der Bibliothek.

 

Gespräch mit der Generaldirektorin, Frau Barbara Schneider-Kempf

Barbara Schneider-Kempf

Was führte zur Gründung der Staatsbibliothek zu Berlin?

Im Jahre 1658 beschloss der Große Kurfürst, seine Bücher nicht mehr allein für sich selbst, seine Familie und den Hofstaat zur Bildung und Erbauung vorzubehalten. Er erklärte sie zur „für die Öffentlichkeit bestimmten Bibliothek zu Cölln an der Spree“. Doch dauerte das Katalogisieren und Zusammentragen der Bücher und Handschriften drei weitere Jahre, so dass erst das Jahr 1661 als das Gründungsjahr der heutigen Staatsbibliothek, der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum, gilt.

Welche kulturellen und historischen Ereignisse bestimmten die Entwicklung der Staatsbibliothek?

Die Hofbibliothek der preußischen Könige trat mit der Gründung der Berliner Universität im Jahr 1810 in eine neue Epoche ein und wurde als Königliche Bibliothek Bestandteil der Preußischen Staatsverwaltung. Der Aufstieg der Hochschule zur bedeutendsten Universität Deutschlands mit Vorbildfunktion für das Bildungswesen in ganz Europa und Nordamerika gelang u. a. auch aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zu dieser gut funktionierenden, bestandsreichen und entwicklungsstarken Bibliothek. Die Königliche Bibliothek (ab 1918 Preußische Staatsbibliothek) entwickelte sich bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Gebrauchsbibliotheken der Welt.
Die Folgen des Zweiten Weltkrieges waren jedoch auch für die Bibliothek verheerend: Es kam zu Bestandsverlusten und der Teilung der Institution zwischen Ost und West mit den beiden  Standorten Unter den Linden und an der Potsdamer Straße. Erst seit 1990 können die Kriegsfolgen systematisch beseitigt werden. Im Gebäude Unter den Linden geht im Jahr 2011 an Stelle des vor über 60 Jahren zerstörten Kuppellesesaals ein neuer, als hell leuchtender Glaskubus ausgeführter Lesesaal in Betrieb.

Was sind besondere Merkmale der Bibliothek?

Die Bibliothek besitzt einzigartige historische Sammlungen, darunter als Weltkulturerbe den Autograph der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und die Sammlung von nahezu 80% aller überlieferten Kompositionen von Johann Sebastian Bach sowie die größte Mozart-Sammlung der Welt. Auch besitzt die Bibliothek das als Nationalhymne verwendete “Lied der Deutschen”, mittelalterliche und orientalische Handschriften, Autographe und Nachlässe von Natur- und Geisteswissenschaftlern, unikale Karten, Zeitungen aus allen Regionen, sowie seltene Drucke. Historischen Sammlungen wurden und werden aus allen Zeiten, allen Sprachen und allen Ländern zusammengetragen. Bei den modernen Sammlungen liegt der Schwerpunkt auf den Geistes- und Sozialwissenschaften. Insgesamt besitzt und pflegt die Bibliothek 22 Millionen Medien aller Art.

Wie viele Nutzer hat die Staatsbibliothek heute?

Pro Jahr kaufen rund 52.000 Forscher, Studierende, Wissenschaftler aus dem In- und Ausland einen Bibliotheksausweis. Sie leihen rund 1,7 Millionen Mal Bücher nach Hause oder in den Lesesaal aus oder sie nutzen die ständig wachsenden elektronischen Bestände. Nutzer im weiteren Sinne sind aber auch die vielen Menschen, die in Ausstellungen zu den verschiedensten Themen unsere zahlreichen Leihgaben sehen.

Wie wird sich die Staatsbibliothek zu Berlin im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2010 präsentieren?

Zunächst laden wir ein, sich in unserer Ausstellung "Belle Vue auf die Welt" von herausragenden Karten, Atlanten und Globen unserer kartographischen Sammlung verzaubern zu lassen. Im Lauf des Jahres wird es zahlreiche weitere Veranstaltungen und Ausstellungen geben - so eine Foto-Ausstellung zur Geschichte des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im März, eine zweitägige Ausstellung über Literatur jüdischer Holocaust-Überlebender in den Lagern für Displaced Persons im April sowie eine Präsentation von Musikautographen und anderer Schätze aus unserer Robert Schumann-Sammlung, dies im Juni - über die genauen Termine werden wir stets rechtzeitig informieren. Während dann zu Beginn des Jahres 2011 das Berliner Wissenschaftsjahr seinen Ausgang nimmt, beginnen wir mit den großen Feierlichkeiten unseres eigentlichen Jubiläumsjahres: Im Frühjahr öffnen wir direkt nach der Schlüsselübergabe zwei Tage lang die Türen zu den uns dann übergebenen Neubauten im Haus Unter den Linden, wo sich die Berliner und ihre Gäste vor der endgültigen Möblierung und Einrichtung des Lesesaals und der anderen Neubauten von der architektonischen Qualität und Größe dieser neuen öffentlichen Räume im Zentrum Berlins überzeugen können.