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Die Charité – Universitätsmedizin Berlin

- Charité – Universitätsmedizin Berlin
Im Jahr 2010 feiert die Charité-Universitätsmedizin Berlin ihr 300jähriges Bestehen. Sie zählt zu den größten Universitätskliniken Europas. Hier forschen, heilen und lehren Ärzte und Wissenschaftler auf internationalem Spitzenniveau. Über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stammen aus der Charité, unter ihnen Emil von Behring, Robert Koch und Paul Ehrlich. Weltweit wird das Universitätsklinikum als ausgezeichnete Ausbildungsstätte geschätzt. Der Campus verteilt sich auf vier Standorte, zu denen über 100 Kliniken und Institute, gebündelt in 17 CharitéCentren, gehören. Mit 10.400 Mitarbeitern erwirtschaftet die Charité rund eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr und ist damit einer der größten Arbeitgeber Berlins. In den Kliniken der Charité werden pro Jahr durchschnittlich 5900 Kinder geboren und 6750 Operationen pro Monat durchgeführt.
Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vorstandes, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl

- Prof. Dr. Karl Max Einhäupl
Welche Ereignisse, Vorstellungen und Notwendigkeiten führten zur Gründung der Charité?
1709 sah sich die Preußische Königsstadt einer Bedrohung ausgesetzt, die seit dem späten Mittelalter immer wieder Ländern und Städten elementar zusetzte: der Pest. Die Seuche bedrohte Berlin. Die Stadt reagierte: Man schloss die Tore und errichtete vor den Stadtmauern im Nordwesten eine Quarantänestation – das Pesthaus, das 1710, also vor genau 300 Jahren, fertig gestellt worden ist. Die Pest blieb aus. Das Haus war da. Die Stadt nutzte es als Asyl für ältere, mittellose Menschen, als Gebärstation für ledige Schwangere und als Behandlungseinrichtung für kranke Soldaten. Bald schon erkannte der König die Möglichkeit, auch seine Militärchirurgen dort auszubilden. 1727 gab der König der Einrichtung schließlich den Namen „Charité“, abgeleitet vom Lateinischen „caritas“, zu Deutsch Barmherzigkeit.
Was waren ihre frühen Grundsätze? Wie haben sich diese im Laufe der letzten 300 Jahre verändert bzw. erweitert?
Caritas – das bedeutete damals die moralische Verpflichtung der Obrigkeit zur Fürsorge. Dieser Grundsatz erhielt im Falle der Charité eine medizinische Wendung hin zu einer dem kranken Menschen dienlichen Diagnostik und Therapie. Früh schon war daran die Verpflichtung gekoppelt, eine gute medizinische Ausbildung, also eine zeit- und fachgerechte Lehre, zu gewährleisten. Spätestens ab 1810, mit Gründung der Berliner Universität, hielt an der Charité eine ambitionierte akademische Forschung Einzug, die zwischen 1840 und 1920 zu einer Blütezeit der Charité führte. Auch heute greift die Charité Veränderungen auf und nutzt sie im Dienst der menschlichen Gesundheit. Dabei legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter größten Wert auf die fachliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ihrer Arbeit, so dass sich die Merkmale der Charité heute mit den Begriffen beschreiben lassen: fürsorglich, wissenschaftlich und unternehmerisch.
Werden diese Grundsätze noch heute berücksichtigt?
Die Charité fühlt sich heute wie auch in Zukunft vor dem Hintergrund einer exzellenten Forschung und Lehre dem Wohl des einzelnen Kranken verpflichtet. Zugleich stellt sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als eine herausgehobene Einrichtung des deutschen Gesundheitswesens und nimmt aktiv Stellung zu allen damit zusammenhängenden ethisch relevanten Fragen.
Was sind die herausragenden Forschungsthemen und Forschungsergebnisse der Charité in Vergangenheit und Gegenwart?
Es ist schwer, einzelne herauszugreifen. Immerhin kamen zehn Nobelpreisträger aus der Charité. Sicher zu nennen sind Christoph Wilhelm Hufeland, einer der Gründerväter der Naturheilkunde, Johann Lukas Schönlein, der naturwissenschaftliche Diagnosemethoden einführte, und Rudolf Virchow, der die menschlichen Körperzellen erstmals beschrieb. Sie alle wirkten im 19. Jahrhundert. Heute machen sich Wissenschaftler der Charité vor allem in der Genforschung und in den Neurowissenschaften bei Krankheiten wie Schlaganfall, Parkinson oder Alzheimer einen Namen. Mit „NeuroCure“ ist seit 2007 ein Projekt der Exzellenzinitiative an der Charité angesiedelt.
Welche Persönlichkeiten spielen für ihr Selbstbild eine herausragende Rolle?
Rudolf Virchow personifiziert wohl am besten das heutige Selbstbild der Charité. Er sah Medizin als soziale Wissenschaft und scheute im Interesse der Menschen auch politische Konflikte nicht. Indem er Berlin eine Kanalisation verschaffte, gelang es ihm, Infektionskrankheiten in der Stadt stark zurückzudrängen.
Wie wird sich die Charité im Jubiläumsjahr präsentieren?
Die Charité will sich im Jubiläumsjahr als exzellente Lehr- und Forschungseinrichtung und als exzellentes Krankenhaus präsentieren, das untrennbar mit Berlin verbunden ist. Zum vielfältigen Programm gehören Ausstellungen, Kongresse und Vorlesungsreihen. Noch bis Juli läuft die Ringvorlesung „300 Jahre Charité – Evolution der Medizin“. Am 4. September feiern wir offiziell Geburtstag – mit einer Fahrradsternfahrt von den Campi in Steglitz, Buch und Wedding zum Traditions-Campus der Charité in Mitte. Dort gibt es im Anschluss daran ein großes Fest für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres ist die Festwoche vom 6. bis 15. Oktober, in deren Rahmen unter anderem auch der 2. World Health Summit stattfindet.

