Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verbindet sich das Jahr 2010 mit mehreren denkwürdigen Ereignissen. Ihr erstes Statut wurde im Jahre 1710 erlassen und im selben Jahr erschien auch der erste Band der von Leibniz gegründeten wissenschaftlichen Publikationsreihe „Miscellanea Berolinensia“. Im Januar 1711 schließlich wurde die Sozietät feierlich eröffnet. Sie vereinte von Beginn an Natur- und Geisteswissenschaften und wurde zum Vorbild aller jüngeren Akademiegründungen. 78 Nobelpreisträger prägen ihre Geschichte.
Die Geschichte der Berliner Wissenschaftsakademie ist eng mit der Entstehung und Entwicklung der großen Jubiläumsinstitutionen des Jahres 2010 verbunden. Akademiemitglieder wie die Gebrüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, Adolf von Harnack, Friedrich Schleiermacher und Christoph Wilhelm Hufeland gehören zu den geistigen Vätern und Initiatoren grundlegender institutioneller Entwicklungen der Berliner Wissenschaftslandschaft mit Wirkungen weit über die Stadt hinaus.
Die rund 30 geisteswissenschaftlichen Traditionsunternehmungen machen sie zur größten außeruniversitären Forschungseinrichtung mit geisteswissenschaftlichem Profil in der Region. Heute ist die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit ihren rund 200 gewählten Mitgliedern eine Fach- und Ländergrenzen überschreitende Wissenschaftlervereinigung mit einer herausgehobenen Verantwortung für die Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Berlin.

 

Gespräch mit dem Präsidenten, Prof. Dr. Dr.h.c Günter Stock

Prof. Dr. Dr.h.c. Günter Stock

Was führte zur Gründung der ersten wissenschaftlichen Akademie in Berlin? Auf welche geistigen Väter/ Mütter beruft sie sich heute?

Als Gottfried Wilhelm Leibniz 1700 seine Idee zur Gründung einer Akademie umsetzen konnte, wollte er sich nicht dem Modell der bereits in London und Paris bestehenden Akademien anschließen, die ebenso wie die 1652 gegründete Leopoldina eine Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften vorsahen. In der preußischen Kurfürstin und späteren Königin Sophie Charlotte fand Leibniz eine kongeniale Partnerin, mit der er seine Pläne zur Gründung einer alle Disziplinen umfassenden Akademie diskutierte. Sie wurde ihrerseits zum Vorbild aller jüngeren Akademiegründungen. Als Preußische Akademie der Wissenschaften gelangte sie weltweit zu Ruhm und Ansehen; 1992 wurde in deren Tradition die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften neukonstituiert.

Welche Ereignisse werden 2010 gefeiert?

Für die Akademie verbindet sich das Jahr 2010 mit mehreren denkwürdigen Ereignissen. Zwar entschied Kurfürst Friedrich III. mit der Unterzeichnung des von Leibniz entworfenen Stiftungsbriefs und der Generalinstruktion bereits 1700 über die Gründung der Kurfürstlich Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften. Ihr erstes Statut jedoch wurde erst 1710 erlassen und im selben Jahr erschien auch der erste Band der von Leibniz gegründeten wissenschaftlichen Publikationsreihe „Miscellanea Berolinensia“. Im Januar 1711 schließlich wurde die Sozietät feierlich eröffnet.

Was unterscheidet die Akademie inhaltlich von anderen Akademien in Deutschland? Was sind ihre Aufgaben, und welche Ziele verfolgt sie?

Anders als die regionalen Akademien in Deutschland wählt sie ihre Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem Ausland - und fächerübergreifend. Neben der Erschließung des kulturellen Erbes betreiben ihre Mitglieder interdisziplinäre Forschung zu Zukunftsfragen unserer Gesellschaft. Sie trägt als Hauptstadtakademie besondere Verantwortung für die Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg. Sie ist gemeinsam mit der Leopoldina Trägerin der ersten nationalen Akademie auf der Ebene des wissenschaftlichen Nachwuchses und hat einen festen Sitz im Ständigen Ausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Wie wird sich die Akademie im Jubiläumsjahr präsentieren?

Mit einem abwechslungsreichen Programm für unterschiedliche Interessengruppen. Den Auftakt bildet der „Salon Sophie Charlotte“, der historische Mitglieder der Akademie präsentiert, die diese Akademie geprägt und weit über sie hinaus Wissenschaftsgeschichte geschrieben haben. Das Angebot reicht von internationalen Symposien z.B. zu Wilhelm von Humboldt, zum Mäzenatentum in der Wissenschaft und zur Molekularen Neurobiologie über Ausstellungen, Archivführungen und Ballettaufführungen bis hin zu den „Schülerlaboren Geisteswissenschaften“ in der zentralen Ausstellung „WeltWissen“.

Was verbirgt sich hinter dem „Schülerlabor Geisteswissenschaften“?

Schülerlabore gab es bislang nur in den Natur- und Technikwissenschaften. 2006 hat die Akademie dieses Format auch für die Geisteswissenschaften entwickelt. Es richtet sich an Profil- und Leistungskurse der Oberstufe. Die Jugendlichen übernehmen für einen Schultag lang die Aufgaben eines Historikers oder Literaturwissenschaftlers und werden anhand ausgewählter Vorhaben der Akademie unter didaktischer Anleitung mit den Arbeitsabläufen moderner geisteswissenschaftlicher Forschung vertraut gemacht.